Sonderformate
Räume für Reflexion, Transfer und methodische Innovation
Die eingereichten Sonderformate der Tagung ergänzen das Vortragsprogramm um dialogische, experimentelle und praxisnahe Formate. Sie sind als offene Reflexionsräume angelegt, in denen Fragen verhandelt werden, die die Publizistik- und Kommunikationswissenschaft insgesamt betreffen. In ihrer Ausrichtung schlagen sie bewusst Brücken zwischen #Wissenschaft, #Kommunikation und #Demokratie.
Inhaltlich adressieren die Sonderformate ein breites Spektrum: von fachinternen Selbstverständigungs- und Internationalisierungsprozessen über aktuelle technologische Umbrüche bis hin zu Fragen wissenschaftlicher Verantwortung in gesellschaftlichen Konfliktlagen. Weitere Schwerpunkte liegen auf der gesellschaftlichen Öffnung des Faches sowie seiner methodischen und infrastrukturellen Grundlagen Insgesamt verstehen sich die Sonderformate als Labor der Tagung: als Orte des Austauschs, der Erprobung und der gemeinsamen Weiterentwicklung des Faches im Spannungsfeld von #Wissenschaft, #Kommunikation und #Demokratie.
SF 01: Hype oder Zäsur? Wie stark und wie schnell verändert KI die Kommunikationswissenschaft?
Donnerstag, 19.03.2026, 13:30 - 15:00 Uhr, SRG 1.001
Gerhard Vowe, Johannes Breuer, Marlis Prinzing, Miriam Bernhard, Max Schindler & Olaf Jandura
Künstliche Intelligenz verändert Studium, Lehre und Forschung in hohem Tempo und mit tiefgreifenden Folgen. Seit generative KI-Anwendungen wie ChatGPT öffentlich verfügbar sind, nutzen Studierende KI selbstverständlich zur Unterstützung oder Delegation von Studienleistungen, wodurch etablierte Vorstellungen von Leistung, Prüfung und Kompetenz unter Druck geraten. Gleichzeitig greift KI immer stärker in den gesamten Forschungsprozess ein – von Antragstellung und Literatursuche über Datenanalyse bis hin zu Schreiben, Begutachtung und Publikation. Vieles deutet darauf hin, dass diese Entwicklung erst am Anfang steht und sich in den kommenden Jahren weiter beschleunigt.
Die Kommunikationswissenschaft steht damit vor der Aufgabe, diese Dynamik nicht nur zu beobachten, sondern aktiv zu gestalten. Als Disziplin, die sich mit medialer Kommunikation, Öffentlichkeit und gesellschaftlichem Wandel befasst, wird von ihr Orientierung über das eigene Fach hinaus erwartet. Das Sonderformat eröffnet einen Raum für offene, kritische und zukunftsorientierte Debatten darüber, wie KI Ausbildung und Forschung verändert und wie diese Prozesse verantwortungsvoll gestaltet werden können.
SF 02: Data, Archive & Tools in der Computational Communication Science: Infrastrukturen sichtbar machen, Lehre stärken, Nachnutzbarkeit ermöglichen
Donnerstag, 19.03.2026, 15:30 - 17:00 Uhr, SRG 1.001
Christian Strippel
Die Veranstaltung adressiert eine zentrale Doppelherausforderung der Medien- und Kommunikationswissenschaft: den Aufbau leistungsfähiger Forschungsinfrastrukturen und die nachhaltige Vermittlung praktischer Methodenkompetenzen in der Lehre. Sie verknüpft den Austausch über Daten, Archive und Tools als zentrale Forschungsressourcen mit der Frage, wie diese systematisch in der Lehre der Computational Communication Science (CCS) genutzt, weiterentwickelt und nachnutzbar gemacht werden können. Ausgangspunkt ist die Arbeit der von der DGPuK eingesetzten AG Forschungsinfrastrukturen sowie das etablierte Austauschformat „Data, Archive & Tool Demos“, das Sichtbarkeit, Diskussion und praktische Erprobung ermöglicht.
Gleichzeitig rückt die CCS-Lehre in den Fokus: Studierende arbeiten mit R oder Python, doch hochwertige Lehrressourcen werden häufig fragmentiert genutzt. Am Beispiel des GESIS Methods Hub wird gezeigt, wie offene, communityzentrierte Ressourcen reproduzierbare Analyseumgebungen, niedrige Einstiegshürden und nachhaltige Nachnutzung ermöglichen. Die Veranstaltung bietet eine integrierte Diskussionsplattform zu genutzten Infrastrukturen, didaktischen Konzepten sowie zur Rolle von Reproduzierbarkeit und Nachnutzbarkeit.
SF 03: Workshop zu „Disquota“ - Eine neue web-basierte Forschungsumgebung für Inhaltsanalysen in Forschung, Lehre und Zusammenarbeit
Freitag, 20.03.2026, 9:00 - 10:00, SRG 2.010
Benjamin Bigl, Dirk Schultze & Jasper A. Friedrich
Quantitative Inhaltsanalysen sind eine zentrale Methode der Kommunikations- und Medienwissenschaft, bislang jedoch unzureichend durch digitale, web-basierte Forschungsinfrastruktur unterstützt. Während für Befragungen und qualitative Analysen etablierte Tools existieren, fehlte im deutschsprachigen Raum bisher eine vergleichbare Lösung für quantitative Inhaltsanalysen. Diese Lücke schließt Disquota. Das Tool wird im Rahmen eines Workshops auf der DGPuK-Jahrestagung 2026 vorgestellt. Disquota ist als integrierte, installationsfreie Forschungsumgebung konzipiert und begleitet den gesamten Analyseprozess – von der kollaborativen Codebuchentwicklung über die Codierung bis zu Auswertung, Export und Reporting. Es ist medienunabhängig nutzbar und unterstützt Text-, Bild-, Audio- und Videoinhalte, einschließlich präziser Timecode-Analysen. Der Workshop richtet sich an Forschende und Lehrende, verbindet praktische Erprobung mit didaktischen Perspektiven und ist zugleich als strukturierter Usability-Test angelegt. Perspektivisch wird Disquota durch KI-gestützte Assistenzfunktionen und ein großes Medienarchiv erweitert und positioniert sich als nachhaltige Infrastruktur für kollaborative und reproduzierbare Inhaltsanalysen.
SF 04: Internationalisierung der deutschen Kommunikationswissenschaft in Zeiten politischer backlashes! Die Rolle und Verantwortung von Wissenschaft – Selbstverständnis und Zukunftshandeln der DGPuK.
Freitag, 20.03.2026, 10:30 - 12:00, SRG 1.001
Anne Grüne
Das Sonderformat verbindet einen Impulsvortrag mit einer offenen Q&A-Session zur Rolle und Verantwortung der Kommunikationswissenschaft in Zeiten politischer Backlashes, globaler Krisen und zunehmender Angriffe auf liberale Demokratien. Vor dem Hintergrund rassistischer, neo-nationalistischer und anti-internationaler Tendenzen stellt sich die Frage, wie sich die deutsche Kommunikationswissenschaft positionieren kann, um ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen und wissenschaftliche Wettbewerbs- und Leistungsfähigkeit in Zeiten einer sich wandelnden Weltordnung zu erzielen.
Im Mittelpunkt steht die Arbeit der AG „Becoming International“ der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft. Vorgestellt und diskutiert wird eine erste Version eines Selbstverständnispapiers zur „tiefen Internationalisierung“ als Querschnittsaufgabe des Fachs. In der anschließenden offenen Q&A-Session werden konkrete Anliegen, Erfahrungen, Hindernisse und Ideen aus der Fachgesellschaft gesammelt. Der Austausch richtet sich an alle Interessierten und fließt in die Weiterentwicklung konkreter Unterstützungsangebote zur Internationalisierung in Forschung, Lehre und akademischer Praxis ein.
SF 05: Medienbildung in die Gesellschaft tragen: Was die Hochschulen beitragen können
Freitag, 20.03.2026, 13:30 - 15:00, SRG 1.001
Friederike Herrmann, Manuela Kirchmeyer, Klaus Ott, Anja Volkwein & Dominik Zarychta
Medienbildung hat in der demokratischen Gesellschaft immens an Bedeutung gewonnen. Desinformation, mangelndes Wissen über die Qualitätskriterien journalistischer Arbeit, vergiftete Debattenkultur und eine geringe Informationskompetenz arbeiten jenen in die Hände, die demokratische Öffentlichkeiten zu delegitimieren versuchen. Redaktionen suchen deshalb zunehmend das direkte Gespräch mit dem Publikum. Zugleich ist Medienbildung in der Berufsausbildung, den schulischen Curricula und der Lehrer:innenbildung bislang nur unzureichend verankert.
Die Veranstaltung greift diese Problemlage auf und diskutiert, welchen konkreten Beitrag Kommunikationswissenschaft, journalistische Ausbildungseinrichtungen und redaktionelle Praxis leisten können. Anknüpfend an bestehende Initiativen wie „Journalismus macht Schule“ werden Perspektiven für eine stärker koordinierte, auch bundesweite Medienbildungsarbeit ausgelotet, die beispielweise auch Polizeischulen und vergleichbare Berufsausbildungen erreichen sollte. Im Zentrum steht die Frage, wie Lehrende und Studierende aktiv in medienbildnerische Projekte eingebunden werden können. Die offene Diskussionsrunde bringt Wissenschaft, Ausbildung und Praxis zusammen und versteht sich als Vernetzungsraum, um Medienbildung als gemeinsame Aufgabe weiterzuentwickeln.